Joseph Sharp: Quitting Crystal Meth
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Kapitel 4: Selbsthilfe-Meetings Alles was Du dazu wissen musst

Die einfache Wahrheit: Es ist leichter aufzuhören, wenn Du Unterstützung hast. Es ist schwieriger, wenn Du allein bist. Und es ist verdammt noch mal fast unmöglich, wenn das Umfeld Deinen Konsum fördert, anstatt Dich beim Aufhören zu unterstützen.

Geh zu Deinem ersten Meeting und freue Dich über Deinen Neulings-Chip und Deine Unterstützerin. Theo, 15 Jahre clean Man sagt, wer kein Meeting auslässt, der schafft es. Ich habe das lange nicht so ganz ernst genommen. Tatsächlich habe ich aber im letzten Jahr vier Mitglieder erlebt, die rückfällig geworden sind - und die waren alle schon über fünf Jahre abstinent. Und bei allen war es so, dass sie immer öfter Meetings ausgelassen haben. Sie waren wohl so glücklich über ihren Erfolg, dass sie nachlässig wurden. Selbsthilfe-Treffen hatten keine Priorität mehr für sie ... . Deborah, 8 Jahre clean Es war okay dort, um Hilfe zu bitten. Hätte nie zu träumen gewagt, dass ich sowas mal tue. In der Gruppe kannst Du um Hilfe bitten. Wenn nicht dort, wo sonst? Carol, 7 Jahre clean
Warum diese Meetings?
Vorteile von Meetings

Immer regelmäßig am selben Wochentag stattfindende Selbsthilfegruppen-Treffen - wir nennen sie schlicht Meetings - das kommt Dir vielleicht ziemlich komisch vor? Du bist vielleicht gar nicht der Typ, der ständig Leute um sich herum haben will oder ständig Anschluss sucht. Das ist aber völlig egal, darum geht es gar nicht. Du musst kein "gesellschaft-suchender" Typ sein, um von Selbsthilfegruppen wie den "Anonymen Crystal-Abhängigen" (abgekürzt: CMA) zu profitieren. Ich gebe Dir ein paar gute Argumente:

Du wirst echte Menschen um Dich herum haben, die erfolgreich mit Crystal Meth aufhören. Das macht es für Dich erlebbar und greifbar, dass Aufhören für Dich möglich ist. Es ist nicht irgendetwas Fernes in der Theorie, es ist Realität. Und was ich Dir versichern kann: Wenn mein Text irgendwelche Fragen von Dir offen lässt, dann wirst Du mit Sicherheit bei den Meetings Leute kennenlernen, die Dir Deine Fragen beantworten können.

Meetings sind großartige Gelegenheiten, neue cleane Freunde zu finden, mit denen Du etwas anfangen kannst. Wo sonst bist Du in einem Raum voller Leute, die sich wie Du auf dem Weg der Heilung befinden und die genau das gleiche Ziel haben wie Du? Die sonstigen, konsumierenden Leute, die Du kennst, sind ja typische Trigger und häufig Auslöser von Suchtdruck. Die neuen Leute, die Du hier um Dich hast, sollten Dir eine großartige Unterstützung bieten.

Du kannst zu vielen Sachen einfach mal frei sprechen. Gedanken und Gefühle zum Konsum und zur Heilung behält man ja sonst meist in seinem tiefsten Inneren. Bei den Meetings wirst Du ganz oft feststellen, dass da jemand ist, der gerade genau dasselbe durchmacht wie Du. Das können Dinge sein, wie etwa Schuldgefühle, wenn man mal wieder vom Konsum träumt. Das tut gut, wenn Du dann merkst, dass Du nicht alleine bist. Was auch genial ist: Man muss es einfach mal erlebt haben, wie es ist, wenn man laut ausspricht, welche Impulse einen quälen. Und um was die eigenen Gedanken immerzu kreisen. Das nimmt Deiner Krankheit ein wenig von der Macht, die sie über Dich hat. Deine Crystal-Abhängigkeit will nämlich, dass Du viele Geheimnisse mit Dir rumschleppst. Dieses Reden und diese Offenheit bei den Meetings stösst allerdings viele Neulinge ab, weil sie es als beängstigend, nervig oder peinlich empfinden. Aber Du hast jetzt erfahren, wofür dieses freie Reden da ist, welchen Zweck es hat. Du musst also nicht in diese Falle laufen und Dich abschrecken lassen.

Wenn Du ein Anliegen hast, über das Du reden möchtest, dann schnapp Dir jemanden am Ende des Meetings. Idealerweise sollte es jemand sein, der oder die schon etwas mehr Erfahrung mit dem abstinenten Leben hat als Du. Geh einfach hin und sage zum Beispiel: "Du, ich habe da ein Problem, würdest Du zuhören oder mit mir darüber reden?"" In den allermeisten Fällen wird der- oder diejenige sich freuen, Dich unterstützen zu dürfen.