Joseph Sharp: Quitting Crystal Meth
Kapitel 3 S. 49 von 99

Nutze Hilfsangebote

Informiere Dich über die unterschiedlichen Beratungs- und Behandlungsangebote, die Du in Anspruch nehmen kannst. Ich habe es an anderer Stelle schonmal geschrieben, ich empfehle Dir jede Hilfe in Anspruch zu nehmen die Du bekommen kannst. Das gilt auch für diese Phase Deines Heilungsprozesses. Eine Suchtberatung oder eine ärztliche oder psychologische, auf den Schwerpunkt Sucht spezialisierte Hilfe kann eine ganz wertvolle Unterstützung sein.

Allerdings sind jetzt solche Beratungs- und Behandlungsangebote für Dich interessant, die Dich konkret mit den jetzt akuten Problemen Deiner Suchterkrankung unterstützen, also die Dir bei der Rückfallvermeidung helfen und damit, wie Du Trigger vermeidest und mit Deinem Craving umgehst.

In Deiner jetzigen Phase ist es erstmal nicht so wichtig, dass Du Dir eine komplexe Psychotherapie suchst, die sich mit Deiner Persönlichkeitsstruktur und Deiner Kindheit auseinandersetzt - es sei denn, Du machst schon solch eine Therapie oder Beratung, dann machst Du die natürlich weiter.

Nach meiner Meinung ist es jetzt gerade wichtiger, sich mehr auf Fähigkeiten zu konzentrieren, die Dich vor einem Rückfall bewahren können. Während es auf lange Sicht wichtig sein kann, Deine schwierige Kindheit zu verstehen, ist dies jetzt gerade eher nicht so hilfreich, sondern vielleicht sogar eher schädlich, weil dabei mehr hochkommen kann, als Du jetzt in dieser Phase gebrauchen kannst.

In den ersten Monaten des Heilungsprozesses brauchst Du keinen zusätzlichen Stress, der mit einer tiefgründigen, erforschenden Therapie einhergeht. Deine jetzige Aufgabe besteht darin, mit Crystal aufzuhören und zu lernen, clean zu bleiben. Und glaub mir, das reicht fürs Erste. Spar Dir die tieferen Nachforschungen für später auf.

Idealerweise findest Du eine Drogenberaterin oder einen Therapeuten, die oder der bereits Erfahrungen mit Crystal-Userinnen und -Usern hat. Aber falls es niemanden in Deiner Gegend gibt, kann ein allgemeiner Drogenberater oder eine allgemeine Drogenberaterin sicher auch hilfreich für Dich sein. Die grundlegenden Probleme einer Abhängigkeit sind immer die gleichen, es kommt nicht auf die Droge an. Zum jetzigen Zeitpunkt brauchst Du jemanden an Deiner Seite, die oder der abhängiges Verhalten versteht und Dir dabei behilflich ist, dieses zu überwinden.

Der Unterschied zwischen einer Suchtberaterin und einem Psychotherapeuten ist: Ein Berater oder eine Beraterin wird Dir sagen, was Du am besten tun kannst; ein Therapeut oder eine Therapeutin wird Dir eher zuhören. In dieser Phase Deines Heilungsprozesses brauchst Du aber vielleicht etwas mehr konkrete Tipps was du tun sollst. Falls Du jedoch eher nach einer Therapie anstelle einer Drogenberatung suchst, empfehle ich Dir, eine Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen, die oder der sich schwerpunktmäßig auf Drogenentwöhnung spezialisiert hat.

Für mich der wichtigste Grund, sich von einem Suchtberater unterstützen zu lassen: In Deinen Konsumzeiten hattest Du wahrscheinlich kaum gesunde Gewohnheiten und kaum Tagestruktur. In dieser Phase Deines Heilungsprozesses geht es darum, wieder gute Gewohnheiten und eine Struktur in Dein Leben zu bekommen. Genau hier können Dir Suchtberater helfen und mit Dir zusammen herausfinden, wie Du vorgehen kannst und was für Dich am Besten passt.